# 500: Reden

Gedicht

Dies ist Post # 500. Man sollte feiern. Man hätte sich etwas Besonderes ausdenken können. Stattdessen habe ich gar nichts geplant. Mir kam eben einfach ein Gedicht aus dem Herzen gekullert. Und ich bin froh, dass es so ist. Dieser Blog begleitet mein Leben seit fast drei Jahren. Er lebt mit mir. Ich rede durch ihn. Er redet mit mir. Solange ich das möchte, werde ich schreiben. Und die Gedichte werden immer mehr zum Herzstück. Ich danke der Muse, die mir heute erlaubt, dieses Jubiläum mit Worten zu feiern, die vom Leben so gewollt waren.

Foto von Daniele Colucci auf Unsplash

Könnte so einfach sein

Wir lernen es als Kinder

Später ist es schwer

So viele Worte im Kopf

So viele Mauern im Herzen.

Warum geht es nicht?

Sehe Dich und will erzählen

So viele Dinge aufgestaut.

Worte wie ein reißender Fluss

Aber nur in meinem Kopf.

Es kommt nichts raus

Habe Angst vor Dir

Warum ist das so?

Sind uns so nah.

Menschen, die sich lieben

Haben keine Scham.

Wollen das Leben teilen

Jeden Tag und jedes Jahr

Warum ist reden so schwer?

Sind die Wunden so tief?

Wer hat uns das angetan?

Wir wissen die Antwort

Sagen sie uns nicht.

Wollen stark sein und schweigen

Wollen weiterleben wie bisher

Doch das geht nicht

Wenn man im Herzen weiß,

dass jetzt alles anders ist

Doch es braucht so lange

Die Muster los zu lassen.

Ist nicht unsere Schuld

Haben es in unseren Zellen

Noch vor unserer Geburt

Wurden die Narben vererbt

Anders leben als die Alten

Nehmen sich Generationen vor

Glücklich kann sich schätzen,

wem es gelingt.

Dabei hilft es nur,

das Erbe anzunehmen.

Wer sich wehrt und leugnet,

wird niemals frei reden

und niemals frei lieben

aus der Tiefe des Herzens

und mit zärtlichem Blick.

Zwei Hände, die sich ergreifen

Ein Spaziergang im Park.

Wer so alt wird,

hat es gelernt.

Die Liebe braucht das Reden

Sonst folgt der Tod

Die Jahre vergehen

Aber die Herzen werden kalt.

Will Dir so viel sagen,

aber es gelingt noch nicht

Ob es gehen wird oder nicht

Ist nicht nur in unserer Hand

Gott wird den Zeitpunkt bestimmen,

an dem unsere Münder sich öffnen

Wenn das nicht passiert

Wird es mehr Schweigen brauchen

Irgendwann dann,

ich bin sicher,

wird für uns beide geschehen,

was wir hoffen und sehnen,

aber nicht in Worte fassen können.

Es könnte einfach sein,

aber das soll es nicht.

Reden ist oft schwerer

Als das Zuhören in Not

Vielleicht hörst Du,

was ich schreibe

Vielleicht fühlst Du

Das Flehen der Stimme,

die nicht laut werden kann

im Strudel der Vergangenheit.

Lassen wir sie los

Und machen uns auf

In die Ungewissheit der Liebe

In den Zweifel der Wut

Was auch immer geschieht,

wir sind weiter als zuvor.

Wem auch immer es gelingt,

unser Schweigen zu brechen

Ist ein besonderer Mensch,

dem unser Herz gehört.

Bist Du es für mich?

Wir können nur eines,

unseren Weg weitergehen.

In Stille und Dunkelheit,

im Lachen und der Sonne.

Ich vertraue darauf,

wir werden reden –

an einem Ort,

zu einer Zeit,

die keiner sich wünscht,

doch sie kommt sowieso

wir wissen es beide.

Das Leben ist so,

wie wir es nicht wollen.

Deshalb ist es so schön,

jeden Tag anzunehmen.

Mit offenen Armen,

und lauter Stimme.

Du wirst meine hören,

und ich Deine ersehnen.

Deine Worte haben Wert,

sie trösten die Seelen.

Die niemand hört

Und niemand schätzt.

Das ist genug des Redens

Wer bin ich,

dass ich klage?

Werde mein Bestes tun,

um die Worte zu wiegen,

die aus mir wollen.

Es wird einfach sein,

lass uns nur warten.

Wenn es geschieht,

werden wir vergessen haben,

wieviel Mühe da war

und wieviel Angst

Wieviel Leiden und Zweifel

Wieviel Scham und Schuld.

Will reden nur mit Dir

Bis die Worte verstummen.

Ein schöner Traum,

den wir uns selbst erfüllen.

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