# 399: BOOK OF THE WEEK — “Die Lehre des Buddhas”

Kyokai, Bukkyo Dendo (1966). Die Lehre des Buddhas.

Geschichte hinter der Buchauswahl

Je mehr ich die Bibel studiere, desto mehr erkenne ich sie in den buddhistischen Schriften — und umgekehrt. Natürlich gibt es keine buddhistischen Schriften im eigentlichen Sinne. Buddha hat nicht geschrieben, genauso wenig wie Jesus geschrieben hat. Das haben immer andere getan. Das ist schon das Problem. Aber es ist auch eine Gemeinsamkeit. Alles, was wir über sie wissen, wissen wir über sie, nicht von ihnen. Das hat aber auch was Gutes, denn dadurch ist das, was sie getan haben, verzerrt durch die Wahrnehmung der Menschen. Und darin genau ist zu erkennen, wie sie gewirkt haben. Und dieses Wirken ist ja das Wesentliche an ihnen. Ja, sie haben Dinge gesagt. Aber dieses Sprechen ist Ausdruck und Motivation des Handelns.

Und auf das Handeln kommt es schließlich an.

Witzigerweise beschäftigen sich nun immer mehr Wissenschaftler mit der Frage der Wissenschaftskommunikation. Das ist irgendwie witzig, da es ein so altes Thema ist. Scheinbar dauert es nicht nur Jahre, sondern Jahrzehnte, bis es Themen wirklich in das Bewusstsein von Theoretikern schaffen. Dabei frage ich mich, was Jesus oder Buddha dazu sagen würden. Die Antwort ist klar, sie würden sich mit solchen Labeln wahrscheinlich gar nicht befassen, da es unwichtig ist, wie genau man Kommunikation betitelt und kategorisiert. Die Hauptsache ist, dass Wissen, in ihrem Fall sogar Weisheit, an die Menschen kommt. Das hat auch Luther später so verstanden und gemacht.

Vielleicht sollte ich mal eine wissenschaftliche Arbeit über Luther als Pionier der Wissenschaftskommunikation schreiben.

Dabei weiß ich in diesem Moment, dass ich eine solche Arbeit nicht schreiben werde.

Aber ich werde vielleicht trotzdem über Luther schreiben und sprechen.

Nur eben nicht „wissenschaftlich“, wie es die Wissenschaftler verstehen.

Weil man das nicht mehr kann, wenn man wirklich zu den Menschen sprechen möchte — und dies auch kann und liebt.

  1. Wandel

Natürlich ist es mit der Ichlosigkeit so eine Sache, wenn wir es mit Christen zu tun haben. Aber im Prinzip sollten sie sich auch in diesen Schriften wiedererkennen. Die Sprache darüber ist eine andere, natürlich, aber die Aufgabe des Egos liegt beiden „Religionen“ (das ist nur eine Hülle) zugrunde. Wichtiger aber ist, und darüber denke ich gerade viel nach, wenn ich es meinen Gedanken erlaube, dass man versteht, dass der Wandel das einzig Wahre im Leben und in der Welt ist. Wie oft hängen wir unserem alten Ich nach und wünsche uns ein neues Ich? Dabei brauchen wir das gar nicht. Es geht gar nicht anders. Wie die Blume jeden Morgen ein bisschen eine andere ist, weil sie gewachsen oder verwelkt ist über Nacht, so sind wir auch jeden Tag ein bisschen anders — zumindest in all den Komponenten, die das Leben gestalten. Dass es tief drin und um uns herum noch Dinge gibt, die keinem Wandel und keiner menschgemachten Zeitlichkeit unterliegen, macht dabei keinen Unterschied.

Wir sollten aber darauf vertrauen, dass es dies auch gibt — die Ruhe und Stille im Wandel.

2. Unwissenheit

An diesem Punkt reibe ich mich sehr. Ja, ich bin im Westen aufgewachsen, so wollte es das Leben von mir. Das heißt auch, dass ich intellektuell und rational ausgebildet wurde und von dieser Kultur geprägt. Wenn es jemanden gibt, der das hinterfragt und teils bedauert, dann bin ich es. Mit der Zeit habe ich aber verstanden, dass das Bedauern überflüssig ist, denn es beruht auf Unwissenheit. Die Unwissenheit über eine geistliche und durchaus auch wissenschaftliche Tradition in Europa, von der ich schlichtweg nichts wusste, weil ich über weite Strecken mehr Buddha als Bibel gelesen habe. Und genau diese Erkenntnis bringt mich zu der Hauptaussage dieses Absatzes, die ich heute mehr denn je hinterfrage: Ja, im spirituellen Sinne ist all das Diskutieren und Analysieren absolut überflüssig und kontraproduktiv. Dies trifft aber nicht zu für die Schulung des Geistes. Und diese ist intellektuell und Teil des Weges. Zudem gibt es so etwas wie äußeren Fortschritt in der Welt, der sich in wissenschaftlichen Erkenntnissen und einer äußeren Verbesserung der Lebenssituation ausdrückt. Dies ist eben nur durch die genannten Praktiken der rationalen analytischen Wissensgewinnung möglich.

Soll heißen: Da passiert gerade viel in meinem Denken, wenn ich die beiden geistigen Traditionen betrachte und in mich hinein höre, was für mich „Sinn“ macht — im ganzheitlichen Sinne des Wortes.

3. Opfer bringen

Diese Gebote nennen sich zwar nicht Gebote, aber sie sind doch sehr schön mit den Zehn Geboten der Bibel vergleichbar, auch wenn es hier eigentlich um eine Ausdifferenzierung des Gebotes der Nächstenliebe geht. Mir geht es aber nicht ums Einordnen und/oder Vergleichen. Es geht hier nur darum, dass es der Kern ist, dem jeder Mensch folgen kann — ob nun Buddhist, Christ oder Atheist. Es spielt keine Rolle, wo/wer/wann dies aufgeschrieben hat. Man muss das gar nicht wissen. Man muss es einfach nur MACHEN. Und ich bin fest davon überzeugt, dass ein jeder, der nur genug gelitten hat im Leben, dies erkennen wird — das Gebot: anderen Menschen zu helfen mit dem eigenen Wirken.

Ich weiß sehr wohl, dass nicht alle zu dem Schluss kommen.

Das hindert mich nicht daran, immer wieder daran zu erinnern.

“Walk the talk” — ganz besonders die Wissenschaftler und Intellektuellen unter Euch.

Wenn Ihr wirklich Menschen „bilden“ wollt, dann fangt bei Eurem Handeln an.

Dann müsst Ihr auch nicht mehr so viel reden und schreiben, weil Ihr sprachlos sein werdet, was Eure Taten bewirken können.

Reflexionsfragen

1) Wie denkst Du über die Gemeinsamkeiten von Buddhismus und Christentum, soweit Du damit vertraut bist?

2) Wie stehst Du dem Wandel der eigenen Persönlichkeit gegenüber?

3) Lebst Du nach irgendwelchen festen Geboten? Wenn ja, welche sind das und wo nehmen sie ihren Ursprung?

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Founder & CEO of Companypoets

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